Frauenfeindlich, sexistisch, antifeministisch? Begriffe und Phänomene bis zum aktuellen Antigenderismus - HBS/GWI

Verschiedene Begriffe kennzeichnen Widerstände gegen Emanzipation. In seiner aktuellen Ausformung „Antigenderismus“ ist der Antifeminismus als modernes Krisensymptom zu deuten und gleichzeitig in seiner Bedrohung demokratischer Werte ernst zu nehmen. Hier geht´s zum Artikel

"Männer und Frauen sind gleichberechtigt." So lautet Artikel 3, Absatz 2 Grundgesetz, seit 1994 ergänzt um den Satz, dass es die Aufgabe des Staates sei, an dieser Gleichberechtigung mitzuwirken. In vielerlei Hinsicht sind Männer und Frauen heute gleichberechtigt: Seit 100 Jahren haben Frauen das Wahlrecht, seit gut 40 Jahren dürfen sie ein eigenes Konto eröffnen, seit zwei Jahren können sie sich gegen sexuelle Belästigung mit körperlicher Berührung auch juristisch zur Wehr setzen. In mancherlei Hinsicht jedoch sind sie es (noch) nicht: sexualisierte Gewalt, Gender Pay Gap, weibliche Altersarmut und viele Dinge mehr zeigen, dass Frauen strukturell eher mit Nachteilen rechnen müssen. Der Kampf um Gleichberechtigung ist eine lange und noch nicht abgeschlossene Geschichte und Gegenstand zahlreicher, auch widersprüchlicher Auseinandersetzungen: Ende Juni 2017 wurde die "Ehe für alle" und damit die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften im Bundestag beschlossen, im Herbst 2017 erschütterte die Debatte um #MeToo die Machtverhältnisse in Kultur, Medien und Politik in vielen Ländern dieser Welt und machte deutlich, dass sexualisierte Belästigung eine massive Grenzverletzung darstellt. Parallel dazu lässt sich in vielen Ländern ein neuer Antifeminismus beobachten, der sich den Kampf gegen "Gender" auf die Fahnen geschrieben hat.